• Charlotte Regner

Unsere innere Mitte

Die zurückliegende Zeit war zu lang als dass sie uns nicht alle verändert hätte. Unabhängig davon, welche Meinung wir vertreten, welche Maßnahmen wir für richtig oder falsch halten, wie wir all das, was uns alle betrifft, beurteilen oder bewerten.




Was uns auf dem Weg wohl verloren gegangen zu sein scheint, ist unsere Mitte: Die Mitte unserer Gesellschaft, die uns wie ein unsichtbares Band bisher stärker verbunden hat - von der einen Haltung und Ansicht zur jeweils anderen. Aber vor allem auch unsere eigene, ganz persönliche Mitte: Ängste, Kontrolle, Unnachsichtigkeit, Wut und Ärger, aber auch Hoffnungslosigkeit, Lethargie, Müdigkeit und Gefühle von Einsamkeit und Zweifel haben zugenommen. Zwischen Vorsicht und Vernunft und Angst und Kontrolle liegt heute ein großer Spalt, der uns zu trennen scheint. Wir sind sehr nach Außen orientiert, Zahlen bestimmen unseren Alltag mehr als je zuvor. Das macht uns auf die lange Sicht müde, bedrückt uns, lässt uns die Tage einen nach dem anderen mehr oder weniger mechanisch leben. Und dabei befinden wir uns in einer Zeit der Menschheitsgeschichte, die in den kommenden Jahren ihre Weichen stellt. Wir treffen heute mehr denn je nicht nur Entscheidungen für uns, sondern für unsere nachfolgenden Generationen, unsere Kinder und Kindeskinder. Wir brauchen Fürsorge, Fürsorge für uns selbst, um diese Zeit nicht nur zu überstehen, sondern so zu überstehen, dass wir Fürsorge auch noch weitergeben können: An andere Menschen, an unsere Kinder und Jugendlichen, an unseren Planeten, in all seiner Vielfalt, Verletzlichkeit und Schönheit.


Wir können nur wieder im Kleinen beginnen, bei uns Selbst, jeder Einzelne von uns. Nur, wenn wir uns selbst wieder mehr spüren und fühlen, wird es uns gelingen, wieder stärker eine gefühlvolle Verbindung zu anderen aufzubauen, wie von selbst, ohne Anstrengung. Vielleicht beginnen wir heute, nach etwas an diesem Tag zu suchen, was uns innerlich berührt hat. Es muss nicht unbedingt positiv sein, es kann auch ein sehr leises, stilles, liebevolles Gefühl sein. Dieses Berührt-Sein kann mühelos eine Tür öffnen für weitere Berührungspunkte zu unseren Mitmenschen. Ich habe die Hoffnung, dass dies helfen kann, unsere eigene, innere Mitte zu stärken und so auch den Weg wieder zu öffnen für die Mitte unserer Menschheitsfamilie.


In liebevollerer Verbundenheit zu uns selbst und zu uns allen.

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